Sonntag, 16. November 2008

Tag 4, Match 47, Kenia - Kirgisien und ein Zusammenstoß zwischen einem FIDE Offiziellen und einem Schiedsrichter

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Das Arbiter's Meeting um 13.30 Uhr gab eine Klarstellung bzgl. des Nullen bei Nichterscheinen zu Partiebeginn. Alle Spieler sind zu Nullen, die bei Spielbeginn nicht am Brett sind. Heute traf es meines Wissens einen afrikanischen Spieler.

Das eigentlich unspektakuläre war das Match zwischen Kenia und Kirgisien. Nur an Brett 1 lief eine interessante Partie im klassichen Königsinder mit ungleicher Materialverteilung. Lohnt sich nachzuspielen, insbesondere die Verwertung des Vorteils durch Schwarz.

Heute stand dann das Match GER1- ESP auf dem Programm, welches Deutschland gewann und damit Tabellenführer ist. Herzlichen Glückwunsch! Morgen geht es gegen Russland.


An den hinteren Bretten fanden sich die chinesischen Herren und die russischen Damen wieder, die von Fotografen dicht umlagert waren.




Das eigentlich spannende (oder skandalöse) geschah mal wieder abseits des Schachbretts. Ein FIDE Offizieller, der Vizepräsident Makropoulos unterhielt sich im Turniersaal mit dem Präsidenten des türkischen Schachverbandes, einer der Hauptsponsoren der FIDE. Der Schiedsrichter machte Sie auf Ihre Lautstärke aufmerksam und ermahnte sie wohl mehrmals.
Dann wollte er den türkischen Verbandspräsidenten und Captain des türkischen Teams aus dem Turniersaal verweisen. Ein Wort gab das andere, und Hr. Makropoulos verlagt nun, das dieser Schiedsrichter ausgeschlossen wird. I. Leong hat nun anscheinend eine "Umgehungslösung" gefunden. Der Kollege wird I. Leong am Montag assistieren und damit nicht im Turniersaal sein und nach dem Ruhetag wohl wieder eingesetzt werden. Soweit mein Kenntnisstand...

Und noch eins: wer der französischen Sprache mächtig ist, den sei auf den Blog unseres französichen Kollegen Laurant Freyd verwiesen, unter http://arbitredresden2008.blogspot.com/

Es ist fast 2 Uhr nachts, Schluß für heute !!

Blitzwunder

Samstag, 15. November 2008

Tag 3, Hongkong - Equador und Pakistan gegen Paraguay

Heute waren mal wieder 2 Kämpfe an der Reihe, Equador schlug Hongkong sicher mit 3.5-0.5, während Pakistan ein 2-2 gegen Paraguay schaffte, da Brett 2 von Paraguay sich einzügig matt setzen ließ. Das Einzige, was mich etwas verwirrte, war die englische Notation der pakistanischen Spieler. Eine schöne Partie lief am Nachbartisch, GM Ramirez aus Costa Rica schlug seinen Gegner aus Nepal sehenswert. Hier die Schlußstellung:
















Um so ärgerlicher sind so einige Vorfälle, die von inkonsequenten Schiedsrichtern verursacht werden. "... any player who is not seated at his/her match shall be defaulted immediately". Ein Kollege hat eine Spielerin genullt, die eine Minute zu spät am Brett erschient. Konsequent und richtig, wenn die Regel das so besagt! Doch dann entschied ein andere Kollege in der Begegnung Mongolei - Ukraine (Damen) anderes. 2 Spielerinnen der Mongolei kamen eine Minute zu spät und wurde nicht genullt! Das verursacht natürlich Ärger. So werden wir Schiedsricher unglaubwürdig und die Spieler reagieren nicht mehr auf uns. Dies wird beim morgigen Arbiter's Meeting anzusprechen sein!

Nächster Fall: Eine Spielerin bringt, nach dem sie 5 Minuten zu spät kommt! ;-)), wie auch schon gestern, ihr Baby mit. I. Leong hat vorher eindeutig gesagt, das das Baby aus dem Spielbereich raus muß. Die Spielerin parkte nun das Baby direkt neben der Senior-Arbiter(in), doch reagiert überhaupt nicht!

Freitag, 14. November 2008

Tag 2, 1 Stunde Verzögerung, Tisch 47: Belgien - Panama 3.5 - 0.5

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Das eigentlich Spannende an dieser Runde war das Geschehen davor. Aufgrund von Organisationsmängeln (sag ich jetzt mal so...) gelangten die Mannschaftsaufstellungen nicht zum TAP, bzw. konnten diese gar nicht abgegeben werden. Daher entschied der Hauptschiedsrichter den Rundenbeginn auf 16 Uhr zu verschieben.

Auf dem Arbiter-Meeting um 14 Uhr sprach I. Leong von einem schwarzen Fleck auf seiner Weste. Es sind hier wohl mehrere Fehler zusammen gekommen. Mehr kam dann nicht heraus...

Es wurde das Problem der Lautstärke im Turniersaal und der vielen Menschen im Spielbereich angesprochen. Dies lief in der heutigen Runde schon etwas besser, obwohl Peter Leko, Judith Polgar und wohl auch Magnus Carlsson erheblich zu leiden hatten. Die ersten 15 Minuten waren ein wahres Blitzlichtgewitter und auch danach wurde es nur langsam besser. Manche Fotografen waren schon recht dreist.

Mein Match zwischen Panama und Belgien war einfach zu leiten, freundliche Mannschaftsführer und vorbildliche Spieler, was will man mehr!

Morgen gehts ins Wochenende mit freien Eintritt für alle. Das wird sicherlich der Höhepunkt in Sachen Vollheit und auch Lautstärke.

Blitzwunder

Breaking news - falsche Aufstellungen im Web !

Im Hotel macht momentan die Meldung die Runde, das teilweise Mannschaftsmeldungen falsch eingegeben wurden. Ein FIDE Offizieller versichert mir :-)), das die Teams mit dem Team spielen werden, welche auch gemeldet sind.
Es wird anscheinend alles zur Zeit überprüft...
Es bleibt spannend!

Blitzwunder

Donnerstag, 13. November 2008

Tag 1, Hongkong - Südafrika und Bolivien - Macao

Heute erste Runde und die Schiedsrichter sind um 13.30 Uhr im Kongreßcenter und dürfen erst einmal Uhren stellen. Da kommt so mancher beim Programmieren ins schwitzen...

Kurz vor 15 Uhr bekomme ich dann die oben genannten Matches zugewiesen, da ein Kollege noch nicht aufgetaucht ist. Zum Glück waren die Uhren richtig programmiert. Viele Teams sind sehr früh im Turniersaal, die Drohung des Partieverlustes wirkt anscheinend. Nur das Team aus Macao stürmt kurz vor 15 Uhr in den Turniersaal. Sie hatten den falschen Bus genommen.

Während des Kampfes meldet sich dann das Mobiltelefon an Brett 4 des Spieler von Hongkong in spannender Stellung zu Wort. Damit verteile ich die erste Null für Handyklingeln in meiner Karriere.

Ansonsten scheint es an den hinteren Brettern bei uns eindeutig ruhiger zu sein. Vorne sind sehr viele Leute im Innenraum und es herrscht recht viel Unruhe. Bei den deutschen Herren schlägt GER 1 Schottland souverän, GER 2 gewinnt gegen Bulgarien, GER 3 unterliegt Spanien. Die Damen sind weniger erfolgreich, GER 1 nur 2-2 gegen den Iran, GER 2 besiegt Schweden und auch GER 3 unterliegt Spanien. Auch sonst schon ein paar Überraschungen, wenn man sich die Ergbnisse so anschaut.

Nach dem Spiel gehts in die "World of Chess", das Dresdener Rathaus. Für die "Blauen" und "Weißen" gibts Verpflegung im Obergeschoss, hier trifft man in der Warteschlange die 2700er der Zunft, Karjakin, Gelfand, Leko, Shirov und einige andere.

Morgen gehts weiter an den Bretten 37 bis 50.

Mittwoch, 12. November 2008

Anreise, Eröffnungsfeier und Arbiter's Meeting



Nach dem ich glücklich und fast ohne Verspätung mit der Bahn nach Dresden anreisen konnte ging es nach der Akkreditierung und CheckIn direkt zur Freiberger Arena, dem Ort der Eröffnungsfeier.
Die Eröffnungsfeier hat mir recht gut gefallen, jede Nation wurde durch Schüler vertreten, die die entsprechende Flagge in die Arena trugen. Eröffnet wurde die Olympiade durch Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble der in seiner Rede fachkundig die aktuelle Entwicklung in der Schachwelt kommentierte. Für die FIDE war Florencino Campomanes vertreten, der für FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow in die Bresche sprang, der auf dem Weg zum Flughafen in Moskau einen Autounfall hatte und sich zur Beobachtung in einem Krankenhaus befindet. Genesungswünsche von Dresden nach Moskau!
Danach ging es in das fast fertig vorbereitete Kongreßzentrum in der um 22.30 Uhr das Arbiter's Meeting stattfinden sollte. Um 22.30 Uhr waren dann 50% der Schiedsrichter anwesend ;-)), was den Hauptschiedsrichter I. Leong recht sickig werden ließ. Es wurden die Einteilung der Schiedsrichter bekanntgegeben, ich darf in M3 schiedsen, also dem dritten von vier Bereichen im Open.
Jetzt wirds interessant:
  • In den ersten 2 Runden wird getestet, wie das mit dem pünktlich am Brett erscheinen funktioniert. Danach wird genullt.
  • Bei offensichtlicher Zugwiederholung um ein Remis vor dem 30. Zug herbeizuführen, werden beide Spieler verwarnt und aufgefordert weiterzuspielen. Danach lautet das Ergebnis 0 -0 !
  • Spieler sind nach Beendigung ihrer Partie Zuschauer und haben den Spielbereich zu verlassen.
  • Die Presse darf in den ersten 15 Minuten mit Blitz fotografieren.
  • Das Klingeln eines Mobiltelefons führt bei
    • einem Spieler zum Partieverlust.
    • bei einem Captain zum Verlassen des Spielsaals und zur Sperre im nächsten Match.
    • bei einem Schiedsrichter zur sofortigen Abreise (!).
So, das wars für den ersten Tag, es ist 1 Uhr nachts, Snooker läuft auf Eurosport und ich gehe ins Bett.

Blitzwunder



Donnerstag, 6. November 2008

Vorbereitungslehrgang der deutschen Schiedsrichter

Im Juli und September fanden zwei Vorbereitungslehrgänge für die deutschen Schiedsrichter statt. Auf dem Programm standen neben der Besichtigung des Kongreßzentrums, Regelfragen und administrative Dinge auch ein kleiner Exkurs in die englische Sprache.

Hier einige interessante administrative Dinge, die vielleicht ganz spannend sind:
  • Es werden die DGT XL Uhren eingesetzt, und zwar die gleichen für die Olympiade und den Deutschland-Cup. Da mit unterschiedlichen Bedenkzeiten gespielt wird, heißt es aufpassen für die Schiedsrichter. Ob der Zugzähler an den Uhren aktiviert wird stand zum Zeitpunkt des Lehrgangs noch nicht fest.
  • Die Mannschaften bekommen ein Wertfach, in dem vor jeder Runde die Mobiltelefone deponiert werden (sollen). Ich bin mal gespannt, wie oft ein Handy im Spielsaal klingelt.
  • Für die Raucher war noch keine Lösung gefunden, irgendeine wird es sicherlich geben...
Für die Schiedsrichter sind sicher folgende Dinge interessant:
  • Die Schiedsrichter dürfen keine Partie nullen, außer wenn jemand zu spät kommt.
  • Die Schiedsrichter werden in 7 Gruppen (4 Herren, 3 Damen) eingeteilt. Diesen Gruppen wird ein "Senior-Arbiter" zugeteilt. Diese Gruppen kümmern sich während der gesamten Olympiade um den gleichen Spielbereich. Wer also zu Anfang die Spitzenbretter zugeteilt bekommt hat Glück und bleibt dort während der gesamten Olympiade. Man wird allerdings nie sein eigenes Land schiedsen.
  • Während des laufenden Spielbetriebs werden 50 Gold-Card-Inhaber zwischen den Bretter rumlaufen dürfen, außerdem noch zahlreiche weitere VIP's. Die Presse ist zu Beginn der Runde ebenfalls zugelassen.
  • Wir bekommen vor der Olympiade 2 Hemden mit Logo und eine Krawatte zugeteilt, die wir auch zu tragen haben. Eine Möglichkeit zum Waschen soll es auch geben. Ein Jacket und dunkle Hose sind auch gewünscht, weiterhin keine offenen Schuhe. Wer trägt schon im November in Dresden offene Schuhe? ;-)
  • Vor Beginn der Runde müssen die Partieformulare ausgefüllt werden, nach Beendigung der Partien die Ergebnisse eingetragen werden.
  • Die Schiedsrichter haben die ausgelosten Spieler zu den Doping-Proben zu begleiten. Dazu müssen die Spieler direkt nach Beendigung der Partien eingesammelt werden.
  • Gewohnt wird im IBIS, die Abendverpflegung findet in der "World of Chess" statt, dem Dresdener Rathaus.
Sonst bin ich gespannt, wie das mit der Sprache so klappt. Persönlich bin ich wohl gut gerüstet, bei einigen anderen habe ich so meine Zweifel. Ansonsten scheint man sich bei solchen Großveranstaltungen gegenseitig zu unterstützen, man bleibt bis zum Ende der Runde, auch wenn seine Partien beendet sind.

Für den Blog werde ich auf jeden Fall meine DigiCam dabei haben und von jeder Runde berichten.